{"id":715,"date":"2014-12-21T23:45:36","date_gmt":"2014-12-21T22:45:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=715"},"modified":"2021-11-01T12:36:39","modified_gmt":"2021-11-01T11:36:39","slug":"1914-maerz-remarque","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=715","title":{"rendered":"1914, M\u00e4rz: Remarque"},"content":{"rendered":"<p><em>Mein R\u00fcckblick auf das Gedenkjahr zum Beginn des Ersten Weltkriegs.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Teil 1: Erich Maria Remarque<\/strong><\/p>\n<p>Bei winterlichen Temperaturen starten wir von K\u00f6ln Hbf in Richtung Erich-Maria-Remarque-Friendeszentrum. Wie alle ambitionierten Z\u00fcge tr\u00e4gt unser HKX den Namenszusatz &#8222;Express&#8220;.\u00a0 Freundlich entschuldigt sich der Zugbegleiter \u00fcber die Bordsprechanlage f\u00fcr 59 Minuten Versp\u00e4tung und verspricht den durchgefrorenen Fahrg\u00e4sten einen guten Kaffee. In dessen Genu\u00df wir leider nicht mehr kommen, denn bis Osnabr\u00fcck war der halbe Liter wohl noch nicht durchgelaufen. Trotz oder gerade wegen der gef\u00fchlt seit 1914 im Einsatz befindlichen Waggons des HKX: Echte Gem\u00fctlichkeit, nettes Publikum, keine falsche Freundlichkeit des Personals. Pr\u00e4dikat: Empfehlenswert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_719\" aria-describedby=\"caption-attachment-719\" style=\"width: 308px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/friedenszentrum.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-719 size-full\" src=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/friedenszentrum.png\" alt=\"friedenszentrum\" width=\"308\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/friedenszentrum.png 308w, https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/friedenszentrum-300x228.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-719\" class=\"wp-caption-text\">Bildquelle: Uni Osnabr\u00fcck (bei mir war Akku leer und schlechtes Wetter)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Osnabr\u00fcck hat einen beeindruckenden alten Friedhof. Und ist die Geburtsstadt von Erich Maria Remarque. Dessen Anti-Kriegsroman habe ich erstmals mit 15 Jahren gelesen. Das Buch hat dabei solche Spuren hinterlassen, dass sp\u00e4ter meine Wehrdienstverweigerung auf &#8222;Im Westen nichts Neues&#8220; basierend umfangreich verschriftlicht habe. Ob das jemand gelesen hat? Ich selbst kann mich nicht erinnern, im Geschichtsunterricht \u00fcberhaupt mal etwas au\u00dfer &#8222;Thronfolger erschossen. Kaiser f\u00e4ngt Krieg an. Deutschland muss Reparationen zahlen.&#8220; gelesen zu haben. Das sollte jetzt endlich anders werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mit dem Werk Remarques f\u00fchlt man den Krieges, die Angst, Kameradschaft, den Tr\u00fcbsinn, liegt in dreckigen Sch\u00fctzengr\u00e4ben. In denen, so zeigt die Ausstellung im Friedenszentrum, Remarque selbst nur sehr kurze Zeit selbst gelegen haben konnte, bis er durch eine Schusswunde von der Front abgezogen wurde. Interessanterweise warf man gerade das dem Erfolgsautor von 1929 vor, denn anders als die &#8222;Stahlgewitter&#8220; von Ernst J\u00fcnger lag hier anscheinend kein biographisches Kriegstagebuch eines einfachen Soldaten vor. Und nur so etwas war seit den Erinnerungen Hindenburgs und Ludendorfs die einzig akzeptierte Literatur \u00fcber den Krieg. \u00a0Der hatte Deutschland auch l\u00e4ngst verlassen, als man sein Werk 1933 verbrannte.<br \/>\nRemarque hatte allerdings nie ein authentisches Tagebuch aus dem Felde verkaufen wollen. Verkaufen tat letztlich der Ullstein-Verlag, und zwar einen Roman, der &#8211; wie bei J\u00fcnger auch &#8211; mehrfach durch den Autor f\u00fcr die geneigte Leserschaft &#8222;angepasst&#8220; wurde bzw. werden musste.<br \/>\nIn der <a title=\"H\u00f6rspiel &quot;Im Westen nichts Neues&quot;\" href=\"https:\/\/mobile.audible.de\/pd\/Klassiker\/Im-Westen-nichts-Neues-Hoerbuch\/B00DGXX7T4?s=s\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wunderbaren H\u00f6rspielfassung<\/a> ist mir jetzt selbst wieder aufgefallen, wie meisterhaft Remarque starke Bilder in lakonische S\u00e4tze eingepackt, wie sich die Szenen des Mordens und Grauens abwechseln mit Phasen aus Einsamkeit und Kameradschaft. &#8222;Im Westen nichts Neues&#8220; ist, gerade aufgrund seiner einfachen Sprache, so gut anzuh\u00f6ren wie zu lesen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_720\" aria-describedby=\"caption-attachment-720\" style=\"width: 146px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/remar.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-720 \" src=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/remar.jpg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"217\" srcset=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/remar.jpg 283w, https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/remar-202x300.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 146px) 100vw, 146px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-720\" class=\"wp-caption-text\">Bildquelle: Uni Osnabr\u00fcck<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Autor selbst wurde \u00fcber Nacht zum Star, die Aufsteller zeigen ihn auffallend h\u00e4ufig in Gesellschaft h\u00fcbscher Damen und voller Gl\u00e4ser. Tats\u00e4chlich war Remarque nicht nur durch den Verkauf des Buches, sondern auch durch die amerikanische Verfilmung nur ein Jahr sp\u00e4ter recht reich und ber\u00fchmt geworden. Depressionen und Alkohol folgten; Man w\u00fcrde ihn stets auf sein eines Buch reduzieren, das und gegen das er sich bis an sein Lebensende w\u00fcrde verteidigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ein literarischer Auftakt zum Gedenkjahr, dem ein ganz anderer und doch ganz \u00e4hnlicher Roman aus Irland folgen sollte.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein R\u00fcckblick auf das Gedenkjahr zum Beginn des Ersten Weltkriegs. 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