{"id":600,"date":"2014-07-12T00:51:54","date_gmt":"2014-07-11T22:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=600"},"modified":"2021-11-01T12:36:39","modified_gmt":"2021-11-01T11:36:39","slug":"public-schimpfing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=600","title":{"rendered":"Public Schimpfing"},"content":{"rendered":"<p>Ich mag das Fu\u00dfballschauen mit mehreren Leuten. \u00dcberhaupt gef\u00e4llt mir das Gesellige dieses Sports: Die Regeln sind so einfach, dass niemand sie en detail kennen muss. Aufpassen braucht auch keiner, weil es seit 1970 eine Zeitlupe gibt. Sonnenwandeln auf dem Boulevard der Sprache. Apropos Public Viewing: Ich finde, dass Begriffe aus anderen Sprachen (Lehnw\u00f6rter) bei der Einreise nach Deutschland durchaus ihr Recht auf eine neue Bedeutung wahrnehmen d\u00fcrfen.<br \/>\nAllerdings f\u00fchrt Schwarmintelligenz aus fu\u00dfballersicher Sicht manchmal grenzwertigen Forderungen, von denen ich folgende in meinem Ged\u00e4chtnis geparkt habe:<\/p>\n<p><em><strong>\u201eDie m\u00fcssen mehr \u00fcber die Au\u00dfen kommen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Au\u00dfen ist Neutrum und Plural von Das Au\u00dfen. Und \u00fcber dort m\u00fcssen sie vor allem dann mehr kommen, wenn sich da eher wenig Gegenspieler aufhalten. Hat die gegnerische Mannschaft jedoch ihre Au\u00dfenpositionen selbst gut besetzt und ist die Mitte auch dicht, so bemerkt Herr Rethy seit fast 20 Jahren treffend: \u201eSie finden aktuell keine Mittel.\u201c<\/p>\n<p><em><strong>\u201eDer Olli h\u00e4tte den gehabt.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>H\u00e4tte Olli jeden Ball gehabt, h\u00e4tten wir vielleicht schon fr\u00fcher einen Stern mehr gehabt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Systeme \u00e4ndern sich, und wenn man fr\u00fcher die eigene Torlinie aus Sicherheitsdenken nicht mehr als zwei Schritt verlie\u00df, so d\u00fcrfen auch Torwarte heute antizipieren. Dasselbe gilt f\u00fcr Feldspieler: Gerade weil ein Beckenbauer seinerzeit ein begnadeter (und gr\u00e4tschenfreier) Libero war, ein Gerd M\u00fcller sich seine Tore durch \u201eErwuseln\u201c des Balles meist selbst aufgelegt hat, umso weniger funktionieren solche Dinge in einem modernen, von der individuellen Klasse auf die Mannschaft hin orientiertem System.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eSchiri, das ist Gelb!\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es ein &#8211; sich in seinen Schwerpunkten st\u00e4ndig \u00e4nderndes &#8211; Regelwerk, was genau \u201eGelb ist.\u201c Klassiker wie die Gr\u00e4tsche von hinten oder das taktische Foul am durchlaufenden Spieler stehen au\u00dfer Frage. Allerdings bleibt Schiri immer noch ein Ermessensspielraum. Und blo\u00df weil der Spieler der eigenen Mannschaft besonders hoch und weit abheben kann, ist es im Interesse des weiteren Spielverlaufs nicht immer sinnvoll, sofort mit Karten um sich zu werfen.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eWarum l\u00e4uft der nicht? Ja, warum bleibt der denn stehen?\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wahrscheinlich, weil er gerade aus dem Abseits kommt und deshalb &#8211; bis zum Entstehen einer neuen Spielsituation &#8211; nicht mehr ins Geschehen eingreifen darf. Oft hat er n\u00e4mlich gepennt und ist &#8211; beim Ballbesitz der eigenen Mannschaft &#8211; zusammen mit der Abwehrkette nicht den entscheidenden Schritt nach vorne gegangen. Insofern kann er das gut gemeinte Zuspiel des Mitspielers nur passieren lassen und sich bestenfalls danach wieder als Anspielstation anbieten. An der voreiligen Verurteilung vor der Leinwand ist allerdings oft die seitlich erhobene Kameraperspektive schuld, durch die das Einsch\u00e4tzen einer geraden Linie erschwert wird. Wir kennen das von Schrecksituationen, in denen ein Abwehrspieler den Ball im Strafraum scheinbar kerzengerade in die Luft haut, dieser jedoch beim ebenso geraden Runterkommen pl\u00f6tzlich hinter die seitliche Auslinie f\u00e4llt.<\/p>\n<p><em><strong>\u201e7:1 gegen die starken Brasilianer: Das hei\u00dft min. 14:2 gegen die schwachen Argentinier.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Oder auch nicht. Aus eigener euphorischer wie leidvoller Erfahrung als Hobbyfu\u00dfballer kenne ich drei Spielarten desselbigen: 1.) \u201eHaste Schei\u00dfe am Fu\u00df, haste Schei\u00dfe am Fu\u00df.\u201c Diese Weisheit des Fu\u00dfballphilosophen Andreas Brehme gilt damals wie heute. Manchmal kann man in der nominell wesentlich besseren Mannschaft spielen, aber irgendwas hemmt den Spielfluss. Und wenn man selbst dieses Etwas ist. Das pflanzt sich im Spiel unaufhaltsam fort. Und nichts, aber auch gar nichts gelingt. 2.) \u201eJeder geht rein.\u201c Das ist sowas wie der Ring des Polykrates. Irgendwie klappt pl\u00f6tzlich alles. Zun\u00e4chst erkennbar an vermehrtem Ballbesitz der eigenen Mannschaft, ankommenden P\u00e4ssen, Zauberfu\u00dfball, Tore aus unm\u00f6glichen Situationen. Und in der 90sten geht noch die unkontrollierte Flanke an die Unterkante der Latte und von da ins Tor. 3.) \u201eDas normale Spiel\u201c W\u00e4hrend die ersten beiden Formen Extreme sind, handelt es sich beim normalen Spiel um die Summe des K\u00f6nnens und Nichtk\u00f6nnens aller Einzelteile als Mannschaft, abz\u00fcglich Tagesform, Gl\u00fcck und Pech. Und an letzten beiden Komponenten wird deutlich: Unvorhersehbar ist das Ganze immer.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eIch habe schon das Endspiel \u2026 gesehen: Da haben wir den Gegner richtig platt gemacht.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Stimmt so auch nicht. Beim Endspiel in M\u00fcnchen vor 40 Jahren konnte jeder froh sein, gerade in der zweiten Halbzeit von den Holl\u00e4ndern nicht die Hucke voll bekommen zu haben. Auch die Endspiele \u201954 und \u201990 waren bei genauerer Betrachtung nicht so \u00fcberdeutlich \u00fcberlegen, wie es die sp\u00e4tere Verkl\u00e4rung der Vergangenheit belegen m\u00f6chte. Vergesse ich aber auch ganz gerne.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eDer X sollte auf Position Y spielen.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das ist einfach nur Nachplappern der Medien. Der gemeine Zuschauer w\u00fcrde mit oder ohne deren taktische Belehrung maximal eine Viererkette erkennen, wenn deren Bestandteile erkennbar zu viert auf einer Reihe stehen. Und wenn Herr L\u00f6w bestimmt, wo ein Herr Lahm nominell spielt (wahrscheinlich bestimmt es Letzterer sogar selbst \/ droht mit Beleidigt-Sein), so hei\u00dft das ja nicht, dass der Spieler diese Position je nach Spielverlauf nicht auch \u201einterpretieren\u201c kann. Also: Erst wenn der Trainer um einen Spieler mit Schlagsahne ein Radius-Rechteck zieht, dann darf man sich \u00fcber eine \u201ev\u00f6llig falsche Entscheidung\u201c beschweren.<\/p>\n<p><em><strong>\u201eIch bin Fan durch und durch.\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Aber nur, wenn Folklore (WM, EM) ist. Oder anders: \u201eIch bekomme vom Spiel zwar nie was mit, aber war echt geil.\u201c Gerade die \u201elangj\u00e4hrigen Fans\u201c, ob nun von Nationalmannschaft oder einer Bundesligatruppe, \u00fcberraschen nicht selten durch eine gnadenlose Unkenntnis der Historie ihrer Idole. Mein aktueller Favorit kommt aus einer Vorberichterstattung von 1live zum Championsleague-Finale zwischen Dortmund und Bayern im Jahr 2013 aus der Dortmunder City. Dort hatte der Radiosender eine B\u00fchne aufgebaut, die nach und nach aufgrund der dortigen Toilette auch f\u00fcr die Besucher interessant wurde (die Stadt der Biere hatte n\u00e4mlich selbst wenig eigene Vorkehrung zum Ablassen desselbens getroffen). In ihrer eigenen Not entschieden sich die Moderatoren, nur den Strom derjenigen zu ihrem \u00d6rtchen durchzulassen, welche folgende triviale Frage beantworten k\u00f6nnten: \u201eWer schoss beim letzten 3:1-Championsleague-Titel der Borussia 1997 die ersten beiden Tore?\u201c Das war dann doch zu schwer f\u00fcr die angestauten Public-Viewing-Borussenfans. Zumindest tippte einer auf Lars Ricken. Nicht ganz richtig, h\u00e4tte ich pers\u00f6nlich aber durchlaufen lassen. Echte Fans halt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich mag das Fu\u00dfballschauen mit mehreren Leuten. \u00dcberhaupt gef\u00e4llt mir das Gesellige dieses Sports: Die Regeln sind so einfach, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-600","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=600"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":602,"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/600\/revisions\/602"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.krombusch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}