{"id":226,"date":"2013-06-02T23:36:33","date_gmt":"2013-06-02T21:36:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=226"},"modified":"2021-11-01T12:36:53","modified_gmt":"2021-11-01T11:36:53","slug":"datenrettung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=226","title":{"rendered":"Datenrettung"},"content":{"rendered":"<p>Er ist ihr mal wieder zu langsam. Bis der faule Sack sich endlich hochqu\u00e4lt. Und dann die ganze Unordnung auf dem Schreibtisch, das liebt sie ja besonders. Aus dem Papierkorb klettert schon der M\u00fcll, das f\u00e4ngt doch an zu stinken. &#8222;Mann, mach das Fenster auf! Ich hab&#8217;s dir jetzt schon dreimal gesagt! Jetzt ist Schluss mit lustig!&#8220;. Sie hebt hebt die Arme, ballt die F\u00e4uste, und dann&#8230;<\/p>\n<p>H\u00e4usliche Gewalt gegen Computer wird zu einem immer ernsteren Thema. Woran liegt das? Geben wir zu vielen lustigen Icons einen lauschigen Platz in unserer Infoleiste? Buhlen zu viele Sykpes, Instant Messenger oder Browserfenster um unsere Aufmerksamkeit? Die Schere zwischen geduldigem Betriebssystem und ungeduldigem Anwender klafft immer weiter auseinander.<\/p>\n<p>Gewalt gegen Maschinen gibt es nicht erst seit Apples Werbespot 1983, und sie ist auch heute auf das Sch\u00e4rfste zu verurteilen. Zumal Computer nicht wie fr\u00fcher aus gepanzertem Metall gesch\u00fctzt unter der Schreibtischplatte L\u00e4rm machen, wo man sich irgendwas zwischen Zeh und Zehennagel beim Dagegen-Treten abbricht.<br \/>\nHeute sind Computer die leisen Softies. Keine richtigen M\u00e4nner mehr, die beim Arbeiten L\u00e4rm und Luft ablassen. Hei\u00dfen Net- und Ultrabooks, alles Cola-Light.\u00a0Vom Flachmann zum Flachbauch, aber bitte Touchpad anstelle von Waschbrett.<\/p>\n<p>Und genau da liegt das Problem bzw. darunter liegen die Eingeweide. Das sind mechanische Teile, die sich im Falle von Festplatten auch noch bewegen, mit immens kleinem Abstand der Schreib-Lesek\u00f6pfe zur Magnetscheibe. Bei der ungeduldigen Dame ist es dann zum (Head?)-Crash gekommen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/testdisk.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"678\" height=\"258\" class=\"alignnone  wp-image-233\" alt=\"testdisk\" src=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/testdisk.png\" srcset=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/testdisk.png 678w, https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/testdisk-300x114.png 300w, https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/testdisk-624x237.png 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir wollen aber nicht \u00fcber Opfer- und T\u00e4terrolle (oder sowas wie Backups) philosophieren. Das Laptop geht noch an, meldet sich sich ohne BIOS-Warnt\u00f6ne, verharrt aber in der Bootsequenz. Anscheinden wird nicht der MBR geladen, geschweige ein Kernel, der auf die aktive Partition zugreifen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Was ist in so einem Fall zu tun? Erstmal: Nichts, vor allem nicht nicht dauernd an- und ausschalten, um zu sehen, ob es nicht bei x-ten Mal doch funktioniert. Besser w\u00e4re es, das verwundete St\u00fcck zu entnehmen. Wer seine Festplatte korrekt ausbauen will, muss dazu aus antistatischen Gr\u00fcnden zwar nicht mehr unbedingt mit den F\u00fc\u00dfen auf die Gummimatte und den H\u00e4nden an die (Fu\u00dfboden)heizung, sollte aber als erstes das Netzteil abziehen und danach noch den Akku entfernen. Anschlie\u00dfend 20 Sekunden den Einschaltknopf dr\u00fccken, um eine Entladung des Laptops zu erreichen. Daraufhin die Schr\u00e4ubchen auf der Unterseite und von der Plattenhalterung l\u00f6sen und diese mit leichter Hebelwirkung herausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Sind \u00e4u\u00dferlich keine Verletzungen (&#8222;braune Flecken&#8220; o.\u00e4.) zu erkennen, so lohnt ein kurzer Funktionstest, bevor schon die ersten Wucherpreise der Datenretter gegeneinander aufgegoogelt werden. Dazu die extrahierte Platte an einen USB-SATA\/IDE-Controller anschlie\u00dfen und auf einem nicht-metallischen oder aufladbaren Untergrund abstellen. Ans andere Verbindungsende des USB-Kabels w\u00fcrde ich wegen der Spannung eher einen klassischen PC als ein anderes Laptop h\u00e4ngen. Dort m\u00f6glichst auch die hinteren Buchsen direkt auf dem Mainboard benutzen und nicht die Anschl\u00fcsse auf der Vorderseite des Rechners. Steht als Host nur ein Laptop zur Verf\u00fcgung, so kann ein sog. Y-Kabel helfen, wenn die Platte \u00fcber den USB-Port nicht ausreichend Anlaufstrom erh\u00e4lt. Aber richtig sch\u00f6n ist das nicht.<\/p>\n<p>Bevor sie jetzt munter st\u00f6pseln, noch ein Hinweis: Die Betriebssysteme wollen es dem Anwender ja m\u00f6glichst einfach machen und versuchen, das neu entdeckte USB-Ger\u00e4t der Klasse &#8222;Massenspeicher&#8220; sofort als neuen Datenspeicherort einzubinden. Das ist auch nicht richtig sch\u00f6n, genauso wenig, wie unserem angeschlagenem Dauerl\u00e4ufer nach M\u00f6glichkeit eine andere Signatur zu verpassen. Betriebssysteme wie bsp. Linux k\u00f6nnen auch ohne Automatik klar kommen und angesteckte USB-Gr\u00e4te lassen sich bei Bedarf mit &#8222;mount -ro&#8220; im schreibgesch\u00fctzten Modus ins Verzeichnis einh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Zuvor ist jedoch Ohr anzulegen. Wie reagiert die Platte auf Strom? Summt sie sofort los oder gibt es Anlaufschwierigkeiten? Bitte nicht klopfen oder Daten-raussch\u00fctteln! L\u00e4uft der Motor anschlie\u00dfend rund, oder stottert das Ger\u00e4t? Wer sich da unsicher ist, sollte als ersten Schritt den kompletten Inhalt auf ein anderes Laufwerk kopieren. Moment,wie soll das gehen, wenn ich gar nicht auf die Daten zugreifen kann?<\/p>\n<p>Ganz einfach: Sie benutzen ein Tool, das sektor-orientiert arbeitet und sich somit gar nicht um die eigentlichen Daten k\u00fcmmert. Hier wird sozusagen blind und wahllos Inhalt dupliziert. Dabei kann es (bei unserer Dame: wird es) zum Stocken kommen. Der Grund sind sog. fehlerhafte Sektoren. Die gibt es eigentlich auf jeder Festplatte und die immer gr\u00f6\u00dfere Kapazit\u00e4t bei gleichem Formfaktor macht fehlerhafte Sektoren nicht gerade unwahrscheinlicher. Zwar kann das BIOS diese Fehler per Smart auslesen und bei kritischer Anzahl ans Betriebssystem weitergeben (seit Windows 95), aber zu viele kaputte,meist benachbarte Sektoren schaffen es &#8211; wie in unserem Fall &#8211; nicht mal mehr als rote Ausrufezeichen ins Ereignisprotokoll.<\/p>\n<p>Gute sektororientierte Programme wie ddrescue o.\u00e4. schreiben beim Kopieren statt der nicht mehr vorhanden Eintr\u00e4ge einfach Nullen ins Ziel. Und h\u00e4ngen vor allem nicht ewig auf den kaputten Dingern rum.<br \/>\nHat sich der Datenberg dann endlich auf der Hilfsplatte eingefunden,so arbeiten Sie damit. Die kaputte Platte kommt in den Schrank, falls man doch ins Datenrettungs-Canossa muss. Versuchen Sie als erstes, mit bsp. testdisk oder Partition Lost and Found die \u00dcberreste der Partitionstabelle zu analysieren bzw. wiederherzustellen. Hier wird oft zur Vorsicht geraten, aber das \u00dcbel fehlerhafter Eintr\u00e4ge kann durch Neuschreiben ohne Datenverlust relativ gefahrlos korrigiert werden (Bitte nicht als Freifahrtschein verstehen). Meistens stimmen jedoch die Eintr\u00e4ge in den FAT, NTFS, ETX o.\u00e4, nicht mehr exakt mit den eigentlichen Daten im Dateisystem \u00fcberein. Daten sind n\u00e4mlich oft verstreut (u.a. weil sich Festplatten drehen) und liegen nicht am St\u00fcck rum (Fragmentierung). \u00dcbrigens hat man entgegen anderslautender mythischer \u00dcberlieferung beim alten FAT-System viel weniger Chancen auf Wiederherstellung fragmentierter Daten als beim seit Windows 2000 standardm\u00e4\u00dfig eingesetzen NTFS, weil dort die zugeordneten Inhalte direkt im Verzeichniseintrag stehen.<\/p>\n<p>Wir konnten mit dem Kopier- und Korrigierverfahren das meiste an Daten retten, wobei es bei deutliche Unterschiede gab: W\u00e4hrend testdisk nur ca. 5000 Dateien im Benutzerornder wiederherstellte, kam Easus Partition Master auf derer 12000. Wohlgemerkt: Beide arbeiten auf derselben, noch intakten MasterFileTable (MTF).<\/p>\n<p>Ist auch die kaputt, dann haben Sie &#8230; dann wird&#8217;s schwierig. Kann man das Rettungstool wenigstens einigerma\u00dfen \u00fcberzeigen, mit was f\u00fcr einem Dateisystem gearbeitet werden soll, k\u00f6nnen sich evt. doch zufriedenstellende Resultate ergeben. Tools wie Recuva oder Photorec versuchen bsp., einzelne Dateien basierend auf ihrer Signatur (steht im Header) wiederherzustellen. Die richtigen Dateinamen m\u00fcssen Sie sich nat\u00fcrlich denken, die kann das Programm ja nicht kennen. Deshalb versuchen die besseren ihrer Zunft, den Dateinamen aus Metainformationen (ID3-Tags in mp3, die exif-Daten der Kamera, die die Bilder geschossen hat usw. zu erzeugen).<\/p>\n<p>Wie auch immer: Schmei\u00dfen Sie nicht sofort die Flinte ins Korn bzw. das Laptop an die Wand. Fragen Sie zun\u00e4chst den Bastler Ihres Vertrauens \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er ist ihr mal wieder zu langsam. Bis der faule Sack sich endlich hochqu\u00e4lt. 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