{"id":112,"date":"2013-02-13T00:25:48","date_gmt":"2013-02-12T23:25:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=112"},"modified":"2021-11-01T12:37:06","modified_gmt":"2021-11-01T11:37:06","slug":"blindenreportage-im-fusballstadion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.krombusch.de\/?p=112","title":{"rendered":"Blindenreportage im Fu\u00dfballstadion"},"content":{"rendered":"<p>Radiobeitrag vom Dezember 2012<\/p>\n<p>Warum gehen Blinde ins Fu\u00dfballstadion?<br \/>\nJa, warum denn nicht? Das Stadion ist mehr als der &#8222;Platz in der ersten Reihe&#8220;. Also der vorm Fernseher. Vor Ort hingegen geht es um Singen, Fiebern, Jubeln, Schimpfen, Schreien. Emotionen mit anderen teilen, Atmosph\u00e4re mitgestalten, Fan sein. Und gerade die Behinderten geh\u00f6ren oft zu den treusten Fans \u00fcberhaupt. Und auch zu den Anti-Aggressivsten. Aber das ist ein anderes Thema.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 1rem; line-height: 1.714285714;\">Die Existenz einer Blindenreportage ist nicht jedem gel\u00e4ufig, obwohl es das Angebot sp\u00e4testens seit der WM 2006 in den meisten gro\u00dfen Stadien gibt. Deshalb ist in der Radiowerkstatt des Erzbistums \u00a0folgender Kurzbeitrag entstanden, der am 29.01. auf Radio K\u00f6ln ausgestrahlt wurde. Dank nochmal den Blindenreportern Bj\u00f6rn und Wolfgang sowie den Pressestellen von 1. FC K\u00f6ln und Bayer 04 Leverkusen f\u00fcr die spontane &#8222;Dreherlaubnis&#8220;. Ebenso nat\u00fcrlich an Christoph von der DSHS und Regina Hillmann vom Fanclub Sehhunde, und besonders an Manni f\u00fcr die Doppelaufnahme. Irgendwann bringe ich das restliche Audiomaterial hier noch unter.<\/span><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-112-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130129_Rheintime_Blindenfussballreportage.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130129_Rheintime_Blindenfussballreportage.mp3\">https:\/\/www.krombusch.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130129_Rheintime_Blindenfussballreportage.mp3<\/a><\/audio>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Korrekt m\u00fcsste eine Blindenreportage &#8222;Sehbehinderten-Reportage&#8220; hei\u00dfen, denn manche Zuh\u00f6rer besitzen durchaus noch einen Teil ihrer Sehkraft. Aber solche Wortgebilde sind enge Verwandte der &#8222;political correctness&#8220;, die &#8211; nicht nur im Fu\u00dfballstadion &#8211; sprachlich eher diskriminiert als dies verhindert. Wie hie\u00dfe es wohl in den USA? Report for the visually challenged\/impaired? Bleiben wir lieber bei Blindenreportage.<\/p>\n<p>Akustisch vorstellen kann man sie sich so \u00e4hnlich wie eine Radio-Live-\u00dcbertragung, bsp. auf 90elf. Das Spielgeschehen wird allerdings wesentlich detaillierter geschildert und ist mehr mit Entfernungsangaben gespickt (also nicht &#8222;halbrechts&#8220; sondern &#8222;25 Meter rechts vorm Tor&#8220;). Die Live-Reporter kommentieren allesamt ehrenamtlich, bei Wind und Wetter. Dabei werden sie zuvor nicht mit Background-Infos versorgt; wissen dann teilweise auch nicht, ob es jetzt die f\u00fcnfte Gelbe in der laufenden Saison war oder wie der Spieler der Gastmannschaft mit der R\u00fcckennummer 25 hei\u00dft, der noch kurz vor Schluss eingewechselt wird und dessen Name auf dem DIN-A6 Zettel abgeschnitten wurde. Trotzdem h\u00f6rt sich die Reportage professionell an und klingt umso lebendiger, weil die Jungs &#8211; Neutralit\u00e4t hin oder her &#8211; nat\u00fcrlich Heimreporter sind. Auch wenn sie das nicht h\u00f6ren wollen.<\/p>\n<p>Besonders sch\u00f6n gestaltet sich der direkte Kontakt zum Publikum, welches der Reporter\/in noch mit Handschlag begr\u00fc\u00dft. Im Schnitt d\u00fcrfte es in den Stadion ca. 15 feste Pl\u00e4tze f\u00fcr H\u00f6rer + gleiche Anzahl f\u00fcr Betreuer geben. Die Blindenreportage wurde 1999 in Leverkusen geboren und die Stereoanlage muss ebenfalls aus dieser Zeit sein: Sie ist fest installiert und so \u00fcbersteuert, dass einem die Ohren abfallen. Daf\u00fcr gibt&#8217;s ausreichend Sitzpl\u00e4tze, wie so vieles dort geschuldet einem extrem professionellem Management mit fest angestelltem Behindertenbeauftragten. Gru\u00df an Paffi.<\/p>\n<p>In der linksrheinischen Konkurrenz-Arena (mit der eing\u00e4ngigeren Stadionhymne, (b\u00f6se:) -stimmung) konnte ich mir daf\u00fcr ein mobiles Empfangsger\u00e4t ausleihen, was auch 4 Bl\u00f6cke entfernt noch weitestgehend funktioniert hat. Allerdings ist es bekanntlich immer so eine Sache, wenn sich viele Empf\u00e4nger in eine Funkzelle quetschen. Wer schon einmal in Dortmund mit 80.000 anderen Handys um die wichtige SMS nach Hause konkurriert hat (&#8222;Schatz, ich hab die Kleine an der Rastst\u00e4tte vergessen und kann hier nicht weg!&#8220;), kennt sich von da an zuk\u00fcnftig technisch besser aus.<\/p>\n<p>Mir haben die Besuche in diesen Stadionbereichen unheimlich Spa\u00df gemacht, vor allem, weil die blinden Fans auch so locker waren. Keine Barrieren durch gezwungene sprachliche Correctness. (&#8222;Ey Chef, Cheeef, Hilfe, mein Kopfh\u00f6rer, ich h\u00f6r nichts mehr!&#8220; &#8211; &#8222;Klar, ich sag ja gerade nichts.&#8220; Jaja, das Rauchverbot).<\/p>\n<p>Neben dem ganzen Kommerz, der ganzen Kohle usw. gibt es auch die andere, leider medial unterrepr\u00e4sentierte Seite am Fu\u00dfball: die Grundidee eines <strong>Vereins<\/strong> und darin beheimatet ein hohes soziales Engagement. Sollte man dr\u00fcber berichten. Gerne im Radio. Ist ja auch f\u00fcr alle da.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Radiobeitrag vom Dezember 2012 Warum gehen Blinde ins Fu\u00dfballstadion? Ja, warum denn nicht? 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